Hinter dem Vorhang: Was im Orchester-Probespiel wirklich passiert - Insinderwissen von Prof. Kusinierek

Ein Bericht zum Workshop "Hinter dem Vorhang: Was im Orchester-Probespiel wirklich passiert - Ablauf, Erwartungen und mentale Strategien" mit Prof. Guilhem Kusnierek 30.04.2026:
„Ein Orchester-Probespiel folgt eigenen Regeln – oft unausgesprochen, nicht immer transparent und für viele schwer greifbar.“ Mit diesem Einstieg holt Prof. Guilhem Kusnierek die Teilnehmer*innen seines Workshops „Hinter dem Vorhang: Was im Orchester-Probespiel wirklich passiert – Ablauf, Erwartungen und mentale Strategien“ am 30.04.2026 genau dort ab, wo viele ihrer Fragen beginnen: bei der Unsicherheit darüber, was einen hinter dem Vorhang eigentlich erwartet.
Schon in den ersten Minuten wird deutlich, dass es hier nicht um abstrakte Theorie geht, sondern um sehr konkrete Einblicke in eine Situation, die für angehende Orchestermusiker*innen entscheidend sein kann. Wie läuft so ein Probespiel tatsächlich ab? Wer entscheidet und nach welchen Maßstäben? Im Austausch wird schnell klar, dass neben dem musikalischen Niveau auch Dinge eine Rolle spielen, die sich schwerer greifen lassen, etwa Präsenz, Umgang mit Druck oder die Art, auf unerwartete Anforderungen wie unvorbereitete Pianist*innen zu reagieren. Anhand von Beispielen aus der Praxis beschreibt Kusnierek typische Abläufe und macht nachvollziehbar, wie unterschiedlich Wahrnehmungen innerhalb einer Jury sein können. Gerade diese Perspektive sorgt bei den Teilnehmer*innen für einige Aha-Momente, weil sie den Blick weg vom eigenen Tunnel hin zu einem größeren Gesamtbild lenkt.
Immer wieder geht es im Workshop um die Frage, was sich überhaupt kontrollieren lässt – und was eben nicht. Während Vorbereitung natürlich eine wichtige Grundlage bildet, bleibt ein Teil der Situation offen. Genau hier setzt ein zentrales Anliegen des Workshops an: nicht an einer Vorstellung von „fehlerfreiem Vorspiel“ festzuhalten, sondern die eigene Reaktionsfähigkeit zu stärken. Auch ganz praktische Aspekte kommen zur Sprache. Wie tritt man auf? Wie verhält man sich in kurzen Kommunikationsmomenten? Und welche kleinen Dinge können am Ende doch einen Unterschied machen? Die besprochenen Do’s & Don’ts wirken dabei nie wie starre Regeln, sondern eher wie Orientierungspunkte, die helfen, sich sicherer zu bewegen.
Bereichernd sind nicht nur die großen interaktiven Anteile des Vortrags, sondern auch die Möglichkeit, Prof. Kusnierek immer wieder Fragen stellen zu können, deren Antworten oftmals mit Anekdoten angereichert werden. Auch der Austausch mit den anwesenden Trompeten- und Orchesterkollegen Joachim Schröder und Prof. Robert Hofmann machen den Workshop zu einem enormen Mehrwert für die Studierenden und angehenden Probespielteilnehmer*innen.
Der Workshop schafft es so, ein oft schwer durchschaubares Verfahren ein Stück weit zu entmystifizieren – und gibt den Teilnehmer*innen zugleich konkrete Ansätze mit, um zukünftige Probespiele selbstbewusster und klarer anzugehen.
EIN GROßER DANK ALSO AN PROF. KUSNIEREK SOWIE AN ALLE ANWESENDEN TEILNEHMER*INNEN!
Als interdisziplinäre Anlaufstelle bietet der Career Service der HfM Saar allen Studierenden, Absolvent*innen, Lehrenden und Mitarbeitenden der Hochschule berufliche Orientierung, praxisbezogene Weiterbildung sowie die Möglichkeit zur (branchen-)internen Vernetzung. Zudem besteht die Möglichkeit, sich individuell beraten zu lassen.
Bis zu zwei Jahre nach der Exmatrikulation profitieren die ehemaligen Studierenden der HfM Saar vom kostenlosen Workshop-Angebot des Career Service.
Kompetenzen stärken – Karriere starten
Was kommt nach dem Musikstudium? Hoffentlich der Start in den lang erstrebten Musikberuf! Um darauf bestmöglich vorbereitet zu sein, bietet der Career Service der HfM Saar Studierenden und Alumni die Möglichkeit, sich berufsbezogene Expertise anzueignen. Dies geschieht in Ergänzung zur musikalischen Ausbildung und wird entsprechend mit Credit Points angerechnet.
Die Veranstaltungen sind explizit an den Bedarfen und Bedürfnissen der zukünftigen Berufsmusiker*innen und ihrem Karrierestart ausgerichtet. Dabei stehen die Schwerpunktthemen Recht, Finanzen, Selbstmanagement, Selbstmarketing und Musikergesundheit im Zentrum des Workshop Programms.
Von TikTok bis Podcast-Erstellen, von Konzert-Design bis Auftrittstraining, von Qi Gong bis Öffentlichkeitsarbeit: jedes Semester erstellt der Career Service ein neues Programm, das speziell an den Herausforderungen des Musikmarktes von morgen ausgerichtet ist.
Die Dozierenden sind sorgsam ausgewählte Persönlichkeiten mit überwiegend eigener Musikkarriere sowie expliziter Expertise in ihren jeweiligen Themenbereichen.
Bei erfolgreicher Teilnahme lassen sich entsprechend gekennzeichnete Kurse im Modul Berufskunde/Rechtsfragen/Selbstmanagement sowie im Wahlbereich anrechnen. 22,5 Kursstunden entsprechen zwei CPs.
Hier finden Sie das aktuelle Veranstaltungsangebot.
Kontakt
Anja Littera (M.A.)
Trierer Straße 2-4
D-66111 Saarbrücken
Raum N-3.14
Tel. (0681) 96731-60
Atmung, Bewegung und Emotionen: Ein Workshop-Rückblick!

Ein Bericht von Steffen Balzer zum Workshop "Atmung, Bewegung und Emotionen" mit Veronika Hümpfer am 24. und 25. Mai 2025:
„Wie funktioniere ich denn? Wie funktioniert Bewegung? Wie funktioniert Atmung?“ Die Dozentin Veronika Hümpfer redet nicht um den heißen Brei, sondern steigt sofort mit der Thematik ein, während ihr die insgesamt neun Teilnehmer*innen aufmerksam Gehör schenken: „Wir unterhalten uns heute über Körper, Bewegung, Emotionscoaching und Emotionsregulation“. Als integrativer Emotions- und Bewegungscoach vermittelt die studierte Hornistin aus Südbayern in ihrem Workshopprogramm „Atmung, Bewegung und Emotionen“ praktische Selbstcoaching-Techniken für alle Musiker*innen.
„Es bedeutet nicht, dass wir heute über Atemtechniken sprechen, die ihr ausschließlich beim Gesang, bei der Klarinette oder beim Schlagzeugspielen anwendet – trennt gedanklich Spieltechnik und menschliches Verhalten“, so die Workshop-Dozentin zu den Teilnehmer*innen, während sie parallel dazu eine Präsentation zu anatomischen Grundlagen der Atmung und Haltung zeigt.
Schon zu Beginn der Veranstaltung verweist Veronika Hümpfer auf die körperlichen und emotionalen Aspekte des Musizierens. Bereits in einer kurzen Vorstellungsrunde erfährt man die Beweggründe der Studierenden der HfM Saar: „Allgemein fühle ich mich ziemlich wohl auf der Bühne, aber beim Probespielen ist die Angst da, unterbrochen zu werden“, so ein Teilnehmer zu Beginn. „Ich bin hier, weil ich mehr Kontrolle bei Auftrittssituationen über mich haben möchte“, erläutert eine weitere Studierende. „Mich interessiert beides (körperlich und emotional), weil ich „gerne“ chronisch gestresst bin. Das möchte ich gerne ausgleichen, weil ich sonst keinen gescheiten Ton mehr rausbekomme“. Worte wie „Angst“ und „Stress“ schlagen hierbei die Brücke zum Kernthema des Workshops: Atmung und Emotionen.
Die Expertin vermittelt in einer ausführlichen Präsentation zunächst die theoretischen Basics und biomechanischen Prinzipien. Dabei erläutert sie die gesunde Kopfposition, den Unterschied zwischen „Mund-“ und „Nasenatmer“, sowie die Funktion des Zwerchfells bei der Atmung. Währenddessen zeigt die Dozentin anhand einer detailgetreuen Nachbildung eines Brustkorbes, wie etwa die sogenannte „Muskel-Sehnen-Platte“ beim Ein- und Ausatmen funktioniert. Aufmerksam hören alle Beteiligten zu und versuchen entsprechend den biologischen Mechanismen zu folgen.
Dass sich der Workshop keineswegs auf passives Zuhören beschränkt, zeigte sich, als Veronika Hümpfer die Beteiligten bat, Tische und Stühle beiseitezuschieben und sich eine der blauen und roten Schaumstoffmatten, die unweit der Teilnehmer*innen lagen, zurechtzulegen: „Ihr könnt euch alle mal eine Matte schnappen, legt euch auf den Rücken und stellt die Füße auf.
Ich gebe euch jetzt ein paar Impulse, die dazu beitragen können, dass ihr euch mehr entspannt.“ Während sich alle Beteiligten in ihre Ausgangsposition begeben, verweist der Coach auf das anatomische Konstrukt der Lendenwirbel. „Jetzt stellt euch mal vor, die Matte unter euren Füßen ist es so leicht warm, wie ein warmer Stein. Und eure Füße sind wie Schokolade, die leicht dahinschmelzen.“
Aus dieser zunächst sonderbaren Metapher entwickelt sich in der Folge eine nützliche Atemübung. „Ich würde euch jetzt mal bitten, dass ihr durch die Nase ein- und ganz langsam über den Mund ausatmet. Atmet aus und werdet leer.“ Stille herrscht im ganzen Saal. Bis auf leise Töne einer Tuba aus einem anderen Saal und den anleitenden Worten der Dozentin, hört man nur das fokussierte Atmen aller Anwesenden.
Eine gute Atemtechnik bildet einen essenziellen Bestandteil, nicht nur wenn man sein Instrument sicher beherrschen möchte, denn laut Veronika Hümpfer fungiert die Atmung „als zentrales Bindeglied zwischen Bewegung, neuronalen Prozessen und Bewegung“. So verdeutlichte der zweitägige Workshop in praxisnaher Art und Weise, wie eine geübte Atmung Stress reduziert, Körper und Emotionen beeinflusst und letztlich auch die musikalische Performance verbessert. Eine lohnenswerte Bereicherung für alle Workshopteilnehmer*innen.