Die Hochschule für Musik Saar trauert um Raimund (Ray) Gilvan, der am 29. August 2023 im Alter von 89 Jahren gestorben ist.
Seine Kolleginnen, Kollegen, Weggefährten und ehemaligen Studierenden verlieren mit Raimund Gilvan einen außergewöhnlichen Musiker, Pädagogen und Menschen, dessen Herzlichkeit, Einfühlungsvermögen und nicht zuletzt auch Humor in unvergesslicher Erinnerung bleiben werden.
Raimund Gilvan, am 27. Februar 1934 unter dem Namen Cartwright in Tyldesley, Lancashire (United Kingdom) geboren, war von 1974 bis 1999 Professor für Gesang an der Hochschule für Musik Saar.
Studiert hatte er selbst an der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln bei Prof. Ellen Bosenius. Seine Diplome erwarb er an der Royal Academy und dem Royal College of Music London. Von 1961 bis 1963 war er als lyrischer Tenor am Stadttheater von Mainz, von 1963 bis 1974 am Nationaltheater Mannheim engagiert.
Als Künstler war Raimund Gilvan auf vielfältige Weise aktiv: im Konzert-, Oratorien- und Liedgesang war er ebenso zu Hause wie in unterhaltsamen Vortragsformaten, mit denen das von ihm gegründete und geleitete Ensemble „Gilvan-Singers“ über viele Jahre das Publikum begeisterte.
Musical-, Operetten- und Filmmelodien gehörten ebenso zum Repertoire der Gilvan-Singers wie Barockarien, Szenen aus Kantaten und Opern sowie Kunstlieder der Romantik. Zur Mitwirkung in dem Ensemble lud Raimund Gilvan Studierende und Absolventen aus den Gesangsklassen der HfM Saar ein und verhalf etlichen von ihnen auf diesem Weg zu festen Verträge bei Theatern und in Rundfunkchören. In Proben und bei Aufführungen saß Raimund Gilvan stets selbst am Flügel und hatte von hier aus alles bestens im Griff.
„Raimund Gilvan als Pianist zu erleben, verlangte mir immer größte Bewunderung ab. In Unterrichten und Aufführungen saß er meist selbst am Klavier und korrepetierte auf höchstem Niveau.“
„Raimund Gilvan als Pianist zu erleben, verlangte mir immer größte Bewunderung ab. In Unterrichten und Aufführungen saß er meist selbst am Klavier und korrepetierte auf höchstem Niveau“, erinnert sich Prof. Jörg Nonnweiler, Rektor der HfM Saar, der den verstorbenen Kollegen als „sehr zuvorkommenden, liebenswerten Menschen“ schätzte.
Foto:
Raimund (Ray) Gilvan nach einem Konzertbesuch in der HfM Saar (Foto: Archiv HfM Saar)
Sendung auf SR 2 KulturRadio
SR 2 KulturRadio widmete Raimund Silvan zum Gedenken eine Sendung, die Sie hier hören können.
Erinnerungen des Tenors Erwin Feith an seinen früheren Gesangsprofessor Raimund Gilvan
Mich persönlich verband von Anfang an bis zum Ende eine besondere Freundschaft mit Raimund Gilvan. Wir hatten am gleichen Tag Geburtstag, am 27. Februar.
Raimund Gilvan konnte hinter die Fassaden der Menschen blicken wie kaum ein anderer. Er erkannte das Potential der Menschen, mit denen er zu tun hatte, daher konnte man ihm mit Ehrlichkeit begegnen. Begegnung fand in erster Linie statt in der Musik, beim Essen und Trinken, - er liebte den richtigen Wein zum richtigen Essen, aber auch im menschlichen Diskurs über gesellschaftliche oder politische Themen, sei es über Europa, den Rest der Welt, oder über das Englische Königshaus. Ein außergewöhnlicher Tag aber war ein Tag mit seinem geliebten übergroßen Schachbrett, ein Spiel, in das er viele junge Freunde einführte.
Er war Mitglied der Saarbrücker Johannisloge, war sogar „Meister vom Stuhl“ (Leiter) und vermittelte immer wieder junge Talente von der Hochschule, aber auch reüssierte Musiker aus aller Welt für Auftritte in der Loge und an viele Podien, überall. Er wohnte allen Vorspielen an der Hochschule bei, interessierte sich für alle Instrumentalisten, kannte alle Namen und bestimmte die Hochschulpolitik mit, wo er konnte, oftmals in stiller Diplomatie, gelegentlich aber auch in offener Konfrontation. Er liebte die Musikhochschule, sie war seine Familie, die Studenten seine Kinder, insbesondere die Gilvan Singers.
Er hat das Leben in vollen Zügen genossen, bis zuletzt. Noch im Juli unternahm er mit seinem Freund Andrew eine feuchtfröhliche Schiffsreise von Saarbrücken nach Würzburg, wo wir uns zum letzten Mal bei einer Weinprobe und einem Essen im Biergarten begrüßen durften. Gezeichnet von seinem Alter, aber hellwach im Kopf, verabschiedeten wir uns, wissend, dass er seinen 90. Geburtstag vielleicht nicht mehr erleben würde. Wie schön, dass wir uns an Allerheiligen letztes Jahr schon musikalisch voneinander verabschieden konnten, er wohnte hier in Schwabach (südlich von Nürnberg) einem von mir geleiteten Mozart-Requiem bei, begleitet von den Nürnberger Symphonikern. Einer seiner letzten Schüler, Kammersänger Vincent Schirrmacher, sang die Tenorpartie, meine Tochter Anna die Sopranpartie. Daneben erklang Henry Purcells Funeral Music for Queen Mary, Deutsch-Englische Begegnung als Ausdruck einer ganz besonderen Freundschaft.
Ein letzter Gedanke sei mir erlaubt. Natürlich gab es auch Belastendes in seinem Leben, aber davon gab er wenig preis. Gemäß dem Motto: „Doch wie´s drinnen aussieht, geht niemand was an.“ Aus „Das Land des Lächelns“, eine Operette, die er in seinem geliebten Mannheim so oft gesungen hatte.
Der Autor Erwin Feith mit Raimund Gilvan (l.)
am 19. Juli 2023. (Foto: privat)