Klare Bekenntnisse zu Demokratie, Meinungsfreiheit und der Freiheit von Kunst und Lehre
Mit einer akademischen Feierstunde im Saal der Alten Ev. Kirche St. Johann eröffnete die Hochschule für Musik Saar am Montag, 12. Oktober 2026, das Studienjahr 2026/27 und hieß ihre neuen Studierenden und Lehrenden willkommen.
Zukunftspläne für die HfM Saar
Rektor Prof. Hans Peter Hofmann richtete den Blick zunächst auf die Zukunft der HfM Saar und kündigte unter anderem eine Profilierung durch die Verknüpfung von Jazz und aktueller Musik, Musiktheorie und dem Institut für Neue Musik an. „Denn in diesem Bereich sind wir von der Gesellschaft besonders ge fragt und sehen eine Chance für unser Haus.“
Damit war er auch schon bei der zentralen Frage, wann und wie es mit den Baumaßnahmen im sanierungsbedürftigen Hauptgebäude Bismarckstraße 1 weitergeht, und berichtete von einer kürzlich vereinbarten Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (htw), an der im Rahmen von Masterarbeiten im Fach Architektur acht Modelle für ein neues HfM-Hauptgebäude entworfen werden sollen. „In diesem Zusammenhang sind wir in engem Austausch mit dem benachbarten Saarländischen Staatstheater, um Synergieeffekte auszuloten und gemeinsame Überlegungen in den politischen Diskurs einzubringen. Wir müssen aktiv werden, auch durch die Vernetzung mit der Politik“, erklärte der Rektor und kündigte entsprechende Gespräche an.
Mit Blick auf die aktuelle politische Situation in Deutschland und der Welt sagte Hans Peter Hofmann: „Musik kann die Welt nicht retten, aber sie kann verbinden, die Tiefe der Seele ausloten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken“. Kultur und Bildung dürften nicht an den Rand gedrängt werden, so Hofmann. Er sei bereit, Argumente auszutauschen. „Aber wenn es um die Freiheit der Lehre und Kunstausübung geht, werde ich keinen Milimeter weichen“, sagte Hans Peter Hofmann mit Blick auf die Wahlerfolge der AfD in verschiedenen Bundesländern.
Wir brauchen ihre Absolventinnen und Absolventen mehr denn je
Nil Berber, die Leiterin der Abteilung Kultur, Industriekultur, Denkmalpflege im Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes, stellte in ihrer Rede die Bedeutung musikalischer Nachwuchskräfte in den Mittelpunkt: „Wer miteinander musiziert, erfährt sehr unmittelbar: Ich kann nicht einfach nur mein eigenes Programm spielen. Ich muss die anderen hören. Ich muss Rücksicht nehmen, reagieren, Verantwortung übernehmen. Und manchmal muss ich auch akzeptieren. Das sind nicht nur musikalische Fähigkeiten. Das sind essentielle Skills in einer funktionierenden Demokratie.“
Gerade bei den Musiklehrkräften gebe es einen großen Bedarf. „Der Mangel an qualifizierten Musiklehrerinnen und Musiklehrern ist längst Realität. Und wir wissen: Eine musikalische Bildung, die Kinder und Jugendliche erreicht, braucht Menschen, die für Musik brennen – und diese Begeisterung weitergeben können.“ Auch der außerschulische Bereich – an Musikschulen, in Vereinen, in Chören und Ensembles – brauche dringend Nachwuchs für die musikalische Ausbildung.
„Wer heute an einer Musikhochschule studiert, hat nicht nur eine künstlerische Zukunft vor sich – sondern auch eine gesellschaftlich dringend benötigte Aufgabe. Die Hochschule für Musik Saar ist dafür ein besonderer Ort. Hier wird musikalische Exzellenz mit pädagogischer Verantwortung und gesellschaftlicher Offenheit verbunden. Das Saarland ist stolz auf diese Hochschule – und wir brauchen ihre Absolventinnen und Absolventen mehr denn je“, so Nil Berber.
Wer Menschen zu Deutschen erziehen will, muss die Musik fürchten
Nach der Antrittsrede des zum Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählten AfD-Politikers Tobias Rausch könne man keine Reden mehr halten, sagte Leander Denzer, der Vorsitzende des AStA der HfM Saar, um dann selbst eine Rede zu halten, die dem vor Auditorium gesprochenen Wort alle Ehre machte.
„Wer musiziert, bekennt sich zu seiner Menschlichkeit“, lautete die Ausgangsthese Denzers. Deshalb fürchteten sich Politiker, die die Kulturlandschaft ihrer Vorstellung nach umformen und nur noch „deutsche Kultur“ zulassen wollten, vor den Musikerinnen und Musikern. „Denn wir schaffen durch die Musik ein Gemeinschaftsgefühl – nicht als Nation, sondern als Menschen. Wer Menschen zu Deutschen erziehen will, muss die Musik fürchten“, so Denzer.
Als Bollwerk gegen den Missbrauch von Musik, wie er im Nationalsozialismus praktiziert wurde, diene „eine gute Musikpädagogik, wie sie an unserer Hochschule gelehrt wird“. Aufgabe der Studierenden sei es, sich noch mehr auszutauschen und einander besser kennenzulernen.
Wo Meinungsfreiheit endet, hört auch Demokratie auf
„Wo endet die Meinungsfreiheit im demokratischen Rechtsstaat?“ Dieser Frage ging Prof. Dr. Christoph Gröpl, Inhaber des Lehrstuhls für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität des Saarlandes, in seinem akademischen Festvortrag nach.
„Meinungsfreiheit“, so verdeutlichte er anhand aktueller Beispiele, „ist für unsere Demokratie sehr wichtig und eines der vornehmsten Menschenrechte“.
Die Grenze bilde das „Recht der persönlichen Ehre“, was im Einzelfall abzuwägen sei. „Wir alle müssen uns daran gewöhnen, andere Meinungen auszuhalten“, betonte Prof. Dr. Gröpl. Dazu gehöre ein respektvoller Umgang ohne Herabwürdigungen und Beleidigungen. „Wo Meinungsfreiheit endet, hört auch Demokratie auf“, so sein Fazit.
Das ganz dem Klavier gewidmete musikalische Rahmenprogramm der akademischen Feierstunde gestalteten die drei Preisträger des diesjährigen Walter-Gieseking-Wettbewerbs, Paul Gurti, Tianfeiyang Yun und Boyi Hu.