Souvenirs - Martin Berger

Absolvent*innen der HfM Saar erinnern sich

Beitrag von Martin Berger für die HfM-Serie souvenirs

Wenn „jedem Anfang ein Zauber innewohnt“, wie es Hesse behauptet, so gilt dies sicherlich ganz besonders für den Beginn eines Musikstudiums. Wer Musik studiert (hat) kennt das Gefühl, nach intensiver Vorbereitung und bestandener Aufnahmeprüfung nun endlich das studieren zu dürfen, was einen im innersten erfüllt. Not have we chosen to study music – music has chosen us habe ich irgendwann von einem südafrikanischen Kollegen gehört. Auch wenn in dieser Aussage viel Pathos mitschwingt: wahrscheinlich ist in nur wenigen anderen Studienbereichen so viel intrinsische Motivation unter Studierenden zu finden wie in den Studienbereichen einer Musikhochschule. An das Gefühl meines Studienanfangs im Oktober 1993 kann ich mich daher gut erinnern, denn meinem Beginn in Saarbrücken wohnte eben auch dieser besondere Zauber inne.

Wie vielen meiner saarländischen Kommiliton*innen hat sich für mich als gebürtigem Saarländer die Frage nach einer anderen Hochschule für mein Grundstudium nie gestellt. Saarbrücken lag vor der Haustür, die Hochschule hatte einen guten Ruf und meine Verwurzelung und Vernetzung im Saarland war damals stark. Durch mein Doppelstudium der Kirchenmusik und der Schulmusik konnte ich die vielfältigen Möglichkeiten der Hochschule in einer großen Breite erfahren. Auch die für das Studium der Schulmusik notwendigen Seminare an der Universität des Saarlandes im Bereich der Musikwissenschaft und der Germanistik habe ich als ideale Ergänzung und Bereicherung empfunden.

Mein Studium an der HFM legte viele Grundlagen für meine spätere berufliche und künstlerische Entwicklung, auch wenn sich diese erst später und an anderen Orten ausprägten und entwickelten. Aus heutiger Sicht als Hochschullehrer ist es für mich interessant, dass mein Studium in eine Zeit fiel, in der die Chorleitungsprofessur an der HFM lange vakant und oft vertreten wurde. Was uns Studierenden damals als großer Nachteil erschien, ermöglichte mir einen Blick auf die sehr unterschiedlichen interpretatorischen und methodischen Herangehensweisen an Chormusik – was mir letztlich schon in jungen Jahren eine große fachliche Weite und Flexibilität schenkte.

Rückblickend erinnere ich besonders gern die offene, herzliche und familiäre Atmosphäre, die unter den Studierenden herrschte. Auch außerhalb der Hochschule haben wir viel Zeit miteinander verbracht. So ist eine junge Künstlergemeinschaft entstanden, in der viel musiziert, diskutiert und natürlich auch gefeiert wurde. Auch zu vielen Dozentinnen und Dozenten und zu den Mitarbeiter*innen der Verwaltung bestand ein enges und aus heutiger Sicht sicher außergewöhnliches Vertrauensverhältnis.

Meine Studienzeit war sicherlich eine Zeit des Umbruchs und des Wandels, auch im Hinblick darauf, wie Lehrende die Rolle von Studierenden in der akademischen Selbstverwaltung gesehen haben. So wohltuend und inspirierend ich eine neue Haltung empfand, die Studierende ernstnahm, ihnen zuhörte und konstruktive Kritik wertschätzte, so befremdlich fand ich doch auch manches damals noch erlebbare autoritäre Gebaren.

Die Entwicklung meiner alten Hochschule verfolge ich immer noch mit Interesse und Freude. Zu vielen Kommiliton*innen habe ich bis heute Kontakt, manche von ihnen sind heute als Lehrende an der HfM tätig. Gemeinsam mit dem Kollegium und den vielen Generationen von Studierenden ist es ihnen gelungen, die HfM zu einer attraktiven Hochschule weiterzuentwickeln, die mit modernen Konzepten und Studieninhalten am Puls der Zeit ist.

Die besondere Herausforderung bleibt dabei, dies Politik und Gesellschaft immer wieder zu verdeutlichen. Kultur kostet Geld – sie zahlt sich gesellschaftlich aber letztlich aus. Die Lebensläufe von tausenden Absolventinnen und Absolventen sind hierfür ein beeindruckender Beleg.

Zur Person


Prof. Dr. Martin Berger ist Professor für Chorleitung an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf.

Er studierte Schulmusik, Kirchenmusik, Musikwissenschaft und Germanistik an den Hochschulen in Saarbrücken und Düsseldorf, prägende Studienaufenthalte und künstlerische Kooperationen führten ihn u.a. nach Stockholm.

In seiner Tätigkeit als Domkapellmeister am Würzburger Dom (2002 – 2013) baute er die Würzburger Dommusik zu einer der bedeutendsten Dommusiken Deutschlands aus. Als erstberufener Professor für Chorpädagogik an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf von 2008 – 2013 strukturierte und etablierte er diesen Studiengang entwickelte zeitgemäße Vermittlungstechniken von Chormusik.

Im April 2013 wurde Martin Berger an die südafrikanische Stellenbosch University berufen, wo er die Chorleiterausbildung an dieser bedeutenden Universität neu strukturierte und als künstlerischer Leiter der Kammerchöre Stellenbosch University Chamber Choir und Schola Cantorum wirkte.

Martin Berger ist international ein gefragter Gastdozent, Juror und Mitglied zahlreicher Fachverbände. Konzertreisen führten ihn bisher in fast alle europäischen Länder, China, Australien, Südafrika und die USA.