Souvenirs - Bettina Nonnweiler

Absolvent*innen der HfM Saar erinnern sich

Beitrag von Bettina Nonnweiler für die HfM-Serie souvenirs

Für mein Studium war die HfM Saar zunächst deshalb die erste Wahl, weil sie mir ermöglichte, meine Tätigkeit als (damals noch) nebenamtliche Kirchenmusikerin parallel zur Ausbildung weiterhin auszuüben, doch auch Musikerinnen und Musiker im eigenen Bekanntenkreis berichteten von positiven Erfahrungen während ihres eigenen Studiums an der HfM. Ausschlaggebend mag für eine gebürtige Saarländerin aber auch ein leichter Hang zum Studium „dahemm“ gewesen sein…

Im Alter von 30 Jahren noch ein Musikstudium zu beginnen, wird heute wahrscheinlich nicht mehr als sonderlich aufsehenerregend bewertet, galt Ende der 1990er Jahre jedoch zumindest als „ungewöhnlich“ und führte manchmal auch zu schrägen Situationen: Auf die Frage, was er denn studiere, antwortete ein damaliger, sehr jugendlich und sympathisch wirkender „Kommilitone“ fröhlich: „Ich bin schon fertig. Die haben mich hier als Klavierprof genommen…“. Tatsächlich spricht diese Begebenheit für den sehr familiären Geist, der die HfM meines Erachtens bis heute prägt. Die kurzen Wege, die direkte und persönliche Verständigung auch mal zwischen Tür und Angel und der „menschliche Umgang“ zwischen Lehrenden und Lernenden sprachen mich damals direkt an.

Das Studium an der HfM hat mein Profil als Kirchenmusikerin nachhaltig geprägt. Vor allem der Unterricht in den musik“theoretischen“ (und doch so praxisbezogenen) Fächern hat nicht nur meine Sicht‑ und Umgangsweisen von und mit Musik geformt und vertieft, sondern auch Schwerpunkte in meiner Berufspraxis gesetzt. Gottesdiensteinsätze, Konzerte und CD-Produktionen stellen zwar die musikalisch-künstlerischen, nach außen sicht‑ und hörbaren „Produkte“ der kirchenmusikalischen Praxis dar, doch für eine Chorarbeit z. B., die auf einen eigenständigen und verständigen Umgang auch der Singenden mit Musik zielt, sind in meiner Wahrnehmung vor allem Kenntnisse und Kompetenzen dienlich, wie sie in den genannten Fächern an der HfM vermittelt und gelehrt wurden und noch werden. Nicht zuletzt der Transfer des im Studium Erlebten mag für mich den Ausschlag dafür haben, nunmehr forschend an die HfM zurückzukehren (wieder einmal als die Älteste…)  und noch ein Promotionsstudium aufzunehmen. Noch immer sind die Wege kurz, und noch immer geht es familiär zu, und ich merke: irgendwie ist sie noch immer „meine“ Hochschule, die HfM Saar.

Ich wünsche der Hochschule für Musik Saar zum 75. Geburtstag alles Gute! Möge sie sich durch alle Höhen und Tiefen diesen besonderen „Spirit“ bewahren, der Horizonte eröffnen, Menschen verbinden und ihnen eine musikalische Heimat geben kann.

Zur Person


Nach einem Studium der Musikwissenschaft und Germanistik habe ich 1996 als „Spätberufene“ das Studium der Ev. Kirchenmusik an der HfM Saar begonnen, das zu diesem Zeitpunkt relativ frisch angeboten wurde. Nach dem Abschluss des Studiums, das zu jener Vor-Bologna-Zeit noch ein Diplom-Studiengang war, trat ich als erste im Saarland ausgebildete evangelische Kantorin eine nun hauptamtliche Stelle in der Ev. Kirchengemeinde Ottweiler an, in der ich bereits zuvor nebenamtlich tätig gewesen war. Neben der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste an der Orgel stellte vor allem die Chorarbeit das Haupttätigkeitsfeld der Stelle dar, und es folgten Gründungen eines Kinder‑, Jugend‑ und eines Gospelchores, so dass sich in der Gemeinde mit ihren ehemals vier Filialgemeinden und drei zusätzlichen Kirchenchören eine reiche Chorlandschaft entwickelte. Aus Interesse auch an praktisch-theologischen Themen absolvierte ich zusätzlich eine Ausbildung zur Prädikantin und wurde 2010 ordiniert. Seitdem gehört auch die Durchführung von Gottesdiensten und Kasualien zu meinen Tätigkeiten. Im Rahmen der Ausbildung von MusikmentorInnen an der Landesakademie für musische Bildung war ich mehrfach als Dozentin für Chorleitung tätig, und natürlich gehört auch die Betreuung von Orgelschülerinnen und ‑schülern zu meinem Dienst.

Seit 2020 habe ich die Stelle der Kreiskantorin des Kirchenkreises Saar-Ost inne und bin nun hälftig für den Kirchenkreis und die Kirchengemeinde Ottweiler tätig. Bereits seit einigen Jahren werde ich von der Ev. Kirche im Rheinland als externe Prüferin an die HfM Saar entsandt, darüber hinaus bin ich Mitglied der KreiskantorInnenkonferenz der Ev. Kirche im Rheinland und des landeskirchlichen Prüfungsausschusses für Kirchenmusik. Zurzeit arbeite ich an meiner Dissertation über ein chordidaktisches Thema im Fach Musikpädagogik, das Projekt wird von Prof. Dr. Michael Dartsch (HfM Saar) betreut.