souvenirs- Stefan Bone

Absolvent*innen der HfM Saar erinnern sich

Beitrag von Stefan Bone für die HfM-Serie souvenirs

An meine erste Begegnung mit der Hochschule für Musik Saar erinnere ich mich gut. Es war im Frühjahr 2000, ich war gerade mal zwölf Jahre alt und durfte als Gewinner des Jugend-musiziert-Regionalwettbewerbs in der Kategorie Klavierbegleitung zum ersten Mal mein Können beim Landeswettbewerb unter Beweis stellen. Dieser fand in dem damals “Hochschule für Musik und Theater Saar” genannten, sich wunderschön zwischen Landesmuseum und Saarländischen Staatstheater – zwei Institutionen, die dem Knaben von damals noch gänzlich unvertraut waren – einschmiegenden Gebäude statt. Als ich einige Jahre später als Student der Schulmusik an einem Montagmorgen um 8:00 Uhr im Studio 6 auf meine erste Gehörbildungsstunde wartete, erkannte ich den Vorspielraum von damals sofort wieder. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits anderthalb Jahre Privatschüler von Prof. Kristin Merscher und kam einmal die Woche zu meinem Klavierunterricht mit dem Zug aus Merzig nach Saarbrücken. Damals hätte ich nicht gedacht dass mich diese Institution von da an fast 10 Jahre meines Lebens begleiten und prägen sollte. Mehr noch: dass sie mir eine Heimat werden sollte.

Der vielstrapazierte und dennoch so schwer zu definierende Begriff Heimat ist in diesem Zusammenhang wörtlich zu verstehen. Als Schulmusikstudent mit Zusatzfach Französisch konnte ich mein Studentenleben an der HfM mit dem an der nahegelegenen Universität gut vergleichen und feststellen: es war in menschlicher wie fachlicher Hinsicht nicht miteinander vergleichbar.

Die Studienbedingungen an der Saarbrücker Musikhochschule waren zu diesem Zeitpunkt exzellent: die Arbeit in kleinen Gruppen mit damals 9 weiteren Studenten im selben Semester (und wir waren damit schon ein großes Semester!), der Einzelunterricht bei Künstlern die einem musikalische Welten eröffnen konnten von denen man nicht zu träumen gewagt hätte, der semesterübergreifende Zusammenhalt innerhalb der Schulmusik, die Offenheit und selbstverständliche Neugier gegenüber anderen Studiengängen und ihren Vertretern.

Wie wäre es für einen musikbegeisterten, jungen Menschen möglich gewesen, KEINE Heimatgefühle dieser Institution gegenüber zu empfinden?

Orientierungspunkt, menschlich wie künstlerisch, war in dieser ganzen Zeit meine Hauptfachlehrerin Kristin Merscher. Als jugendlicher Jugend-musiziert-Teilnehmer habe ich sie vor fast 20 Jahren zum ersten Mal getroffen und bis heute bin ich ihr in großer Dankbarkeit für ihre Hingabe, ihre Klugheit und ihre Bereitschaft ihr übergroßes Wissen und Können mit uns Studenten zu teilen, freundschaftlich verbunden.

Mein Lebensweg, wenn man ein solches Wort als 34-jähriger überhaupt in den Mund nehmen darf, hat mich heute in eine Lage gebracht, die ich mir damals so nicht hätte vorstellen können.

Parallel zu meinem Schulmusikstudium begann ich ein Diplomstudium im Fach Klavier, es schlossen sich ein Aufbaustudium und eine Tätigkeit als Lehrbeauftragter für Korrepetition an der HfM an. Gleichzeitig infizierte mich der Theatervirus, ich begann mich für das Dirigieren zu interessieren und meinen pianistischen Schwerpunkt auf die Kammermusik und vor allen Dingen die Opernkorrepetition zu verlegen. Nach bestandener Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule Freiburg legte ich dort 2016 das Dirigierexamen ab und wurde ans Opernhaus Kiel engagiert, wo ich seither als Kapellmeister und Solorepetitor arbeite und meinen Traum, als Musiker tätig zu sein, leben darf. Ob dieser Traum in dem damals 18-jährigen Schulmusikstudenten schon schlummerte, daran erinnere ich mich nicht. Dass die Musikhochschule Saarbrücken mit ihrer einzigartigen Mischung aus familiärem Ambiente und höchsten künstlerischen wie intellektuellen Ansprüchen mir den Weg dazu geebnet hat, mir die Möglichkeit gab, mich auszuprobieren und dabei mein Potential peu-à-peu zu entfalten, das steht jedoch außer Frage.

Wo das Leben einen hinführt, welche Überraschungen es für jeden von uns parat hält, niemand vermag das im Vorfeld zu sagen. Vor allen Dingen in unserem Metier.

Als ich mich 2021, müde von der bleiernen Coronazeit, gleichzeitig entschlossen etwas Neues zu wagen, mit zwei ehemaligen HfM-Kommilitonen dazu entschloss, parallel zu meiner Tätigkeit in Kiel im Saarland ein professionelles Kammerorchester aufzubauen, wusste ich dass diese Institution die mir 10 Jahre lang eine Heimat war, die mich im wahrsten Wortsinne “erzogen” hat, mir auch jetzt mit Rat und Tat zur Seite stehen würde. Wie sehr mich allerdings die Unterstützung seitens der HfM, heute unter der Leitung meines ehemaligen Musiktheorieprofessors Jörg Nonnweiler, wie sehr mich die Worte die er sprach, als er mit seiner Rede das Debütkonzert des Kammerorchesters der Großregion eröffnete, bewegen würden, das hat mich trotzdem aufs Neue überrascht.

Ich wünsche mir, dass der Geist der in diesem besonderen Gebäude in der Saarbrücker Bismarckstraße weht, ein Geist der von Generation zu Generation, von Lehrenden wie Studierenden weitergetragen wurde, dass er nie aufhören wird junge Menschen bei Ihrer Auseinandersetzung mit Musik, mit Kunst und Kultur allgemein, mit ihrer Suche nach sich selbst und nach ihrem Platz in dieser nicht einfacher werdenden Welt, zu beflügeln. Die nächsten 75 Jahre und darüber hinaus.

Zur Person

 

Der deutsche Dirigent Stefan Bone ist seit 2016 als Kapellmeister und Solorepetitor am Opernhaus der Landeshauptstadt Kiel tätig. Gastdirigate führten ihn seither u.a. zur Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, an die Opernhäuser Chemnitz und Lüneburg, sowie ans English National Ballet.

Parallel zu seiner Tätigkeit in Kiel gründete er 2021 gemeinsam mit dem Tenor Michael Müller-Kasztelan sowie dem Geiger Maximilian Lohse das Kammerorchester der Großregion (KOG), ein international besetztes Projektorchester mit Sitz im Saarland, als dessen Dirigent und Künstlerischer Leiter er fungiert.

Schwerpunkte seiner dirigentischen Arbeit sind die Pflege des russischen Repertoires von Tschaikowsky bis zur Moderne sowie das Musiktheaterwerk von W.A. Mozart. Auf große Resonanz stieß seine 2018 im Rahmen des Festivals Musik und Theater Saar dirigierte Neuproduktion der Entführung aus dem Serail. Die Saarbrücker Zeitung beschrieb die Qualität des Festivalorchesters als “pures Klangvergnügen, mit kernigem Janitscharen-Tschingderassabumm, aber auch luftigem, köstlich blühendem Mozart-Ton”, das Opus-Magazin sprach von einem “exzellent disponierten Orchester unter Leitung des kompetent und straff dirigierenden jungen Kieler Kapellmeisters Stefan Bone.“

Stefan Bone studierte nach dem Abitur zunächst Schulmusik und Musikerziehung Klavier in der Klasse von Prof. Kristin Merscher an der HfM Saar, parallel dazu Romanistik an der Universität des Saarlandes. Es folgten ein Masterstudium Klavier, sowie von 2013 bis 2016 ein Dirigierstudium bei Prof. Lutz Köhler, Prof. Scott Sandmeier und Massimiliano Matesic an der Musikhochschule Freiburg. Meisterkurse führten ihn u.a. zu Daniele Gatti, Neeme Järvi, David Zinman und Karl-Heinz Kämmerling.

Vor seiner Tätigkeit in Kiel hatte Stefan Bone von 2013 bis 2016 einen Lehrauftrag für Korrepetition an der Hochschule für Musik Saar inne und war als Korrepetitor am Stadttheater Freiburg tätig.