souvenirs - Nikola Dimitrov

Absolvent*innen der HfM Saar erinnern sich

Beitrag von Nikola Dimitrov für die HfM-Serie souvenirs

Mein musikalischer Werdegang begann im Alter von zehn Jahren mit meinem ersten Klavierunterricht. Die kontinuierliche Beschäftigung mit der Musik, Vorspiele und erste Erfahrungen als Klavierlehrer waren die ausschlaggebenden Gründe dafür, dass ich mich für ein Musikstudium begeisterte und mich 1979 an der nahegelegenen HfM Saar einschrieb.

Die Zeit an der HfM Saar ist mir in guter Erinnerung geblieben. Ich denke dabei u.a. an die angenehme Atmosphäre zwischen ProfessorInnen und KommilitonInnen, an die vielen Vorspiele und Konzerte und die erholsamen Besuche in der benachbarten Modernen Galerie. Die Studienzeit und die Beendigung der Examensabschlüsse als Musikpädagoge (1984) und Konzertpianist (1988) bilden bis heute den Grundstein meines künstlerischen und beruflichen Werdegangs. Mit einigen Kommilitonen blieb ich über viele Jahre in regem Kontakt. Gemeinsam konnten wir verschiedene Projekte entwickeln und realisieren.

Nach dem Studium verfolgte ich zunächst meinen Weg im Bereich der Musik. Jedoch hatte ich schon während des Studiums parallel eine weitere künstlerische Neigung in mir entdeckt: die bildende Kunst. Was zunächst in Konkurrenz zueinander zu stehen schien, verband sich zunehmend miteinander, so dass das Experimentieren mit verschiedenen malerischen Ausdrucksformen meine musikalischen Fähigkeiten mehr und mehr bereicherte und neue Wege öffnete.

Im Jahr 2000 beendete ich meiner Lehrtätigkeit als Klavierlehrer an der Kreismusikschule Sankt Wendel. Dies nahm ich zum Anlass, meine Affinität als bildender Künstler verstärkt auszubauen. Die weitere künstlerische Entwicklung erfolgte zunehmend im Wechselspiel zwischen Musik und Malerei. Diesem Spannungsfeld folgend, arbeitete ich an Bildserien, die die jeweiligen musikalischen Kompositionen vielfältig interpretieren. Aus zunächst informell geprägten Arbeiten entwickelten sich ab 2006 erste Ansätze einer konkreten Malerei. Ausgangspunkt dieser Neuorientierung und Findung einer eigenen Bildsprache war die Zusammenarbeit mit dem deutschen Komponisten Gerhard Stäbler. Die zu seiner Musik im Malprozess spontan entstandenen Farblinien und Gitterraster dienten der späteren Inspiration für die sich entwickelnden charakteristischen Gestaltungsmerkmale meiner Arbeiten. Das Wechselspiel zwischen Musik und Malerei verfestigte sich schließlich sowohl durch Bildserien zu bekannten Kompositionen, z.B. von Franz Schubert, Franz Liszt und Arnold Schönberg, als auch durch viele Bildzyklen, die zu eigenen Klängen und Melodien entstanden.

Musik und Malerei stehen für mich heute gleichberechtigt nebeneinander. In der Interaktion zwischen beiden Künsten habe ich meine künstlerische Ausdrucksform gefunden, die ich versuche, auch zukünftig weiter zu entwickeln.

 

Zur Person

Nikola Dimitrov (Foto: Michael Böttcher-Entenmann) wurde 1961 im saarländischen Mettlach geboren. An der HfM Saar studierte er von 1979 bis 1988 Klavier bei Prof. Alexander Sellier und Prof. Jean Micault. Das Examen als Musikerzieher machte er 1984 und beendete sein Studium 1988 erfolgreich mit dem Konzertexamen als Pianist.

Neben der Lehrtätigkeit an verschiedenen Musikschulen begann nach dem Studium seine freie künstlerische Tätigkeit als Pianist und bald darauf als bildender Künstler, denn während der Ausbildung zum Musiker beschäftigte er sich intensiv mit Malerei. Ein eigenes Atelier in der Alten Tabakfabrik in Heusweiler mit Ausstellungs- und Werkräumen bezog Nikola Dimitrov 1993. Im Laufe der Jahre entwickelte er mit KünstlerInnen und MusikerInnen zahlreiche interdisziplinäre Projekte. Als Pianist arbeitete er in Worte in Stein und Klang mit dem Klarinettisten Gernot Wirbel, der Lyrikerin Felicitas Frischmuth, dem Bildhauer Leo Kornbrust und in Dialoge in Worten und Klängen mit der Autorin Sabine Graf zusammen. In einer interaktiven Zusammenarbeit war er als Maler in Klangbilder-Bildklänge mit dem Pianisten Bernd Mathias und in den Livepainting – Projekten mit den Musikern Bernd Mathias und Stefan Scheib, dem Jazzpianisten Christoph Mudrich, mit dem Lyriker Gerhard Kaiser und dem Komponisten Bernd Wilms.

Nachdem Nikola Dimitrov seine Lehrtätigkeit im Jahr 2000 beendet hatte, nahm seine künstlerische Tätigkeit im Atelier mehr Raum ein. Seine Werke wurden immer häufiger in Galerien, Museen, Kunstvereinen oder an projektbezogenen Orten gezeigt. Im Auftrag der Freunde und Förderer des RSO konzipierte er 2002/03 die Ausstellung 33 Jahre Musik im 20. Jahrhundert in der Stadtgalerie Saarbrücken. Danach folgten weitere künstlerische Projekte wie Völklinger Plätze Kunst / Ein Künstlerisches Porträt der Stadt Völklingen oder Die Sieben Todsünden / extra muros. Sein künstlerisches Netzwerk weitete sich zunehmend überregional aus. 2010 bezog der saarländische Musiker / Künstler ein zweites Atelier in Köln. Der Kontakt zur HfM Saar blieb aber immer bestehen: Zu der 5. HfM – Woche der Kammermusik im Jahre 2012 wurde Nikola Dimitrov eingeladen, im Rahmen einer Ausstellung in der HfM Saar die Bilderzyklen Pierrot Lunaire und Verklärte Nacht zur gleichnamigen Musik von Arnold Schönberg zu präsentieren.

Zu den jährlichen Ausstellungen mit Gastkünstlern in seinem Atelier in der Alten Tabakfabrik fanden neben Lesungen auch Konzerte statt. Es konzertierten u.a. die Pianistin Tatevik Mokatsian, die Bratschistin Jone Kaliunaite, die Geigerin Tanja Becker-Bender und der Klarinettist Eduard Brunner sowie das Arkas Trio, welches auch im Kölner Atelier ein Konzert gab.

Die Liebe zur Musik zeigt sich auch in seinen malerischen Werken. So entstanden u.a. seit 2006 zum Musikstück Cassandra des Komponisten Gerhard Stäbler immer neue Bildserien. Der Zyklus Aria, vierzig großformatige Papierarbeiten, inspiriert von den Goldbergvariationen von J. S. Bach, erschien 2021 in einer Monografie im Kettler-Verlag.

Weitere Projekte als Pianist folgten: Rilke geht ins Museum mit Armin Schmitt oder Auftritte mit Improvisationen und Kompositionen am Klavier zu eigenen Bildern. Die Werke von Nikola Dimitrov wurden bereits in zahlreichen Ausstellungen und Kunstmessen im In- und Ausland vorgestellt und sind in öffentlichen wie privaten Sammlungen vertreten. Der Künstler / Pianist lebt und arbeitet in Heusweiler bei Saarbrücken und in Köln.