souvenirs - Enikő Ginzery

Absolvent*innen der HfM Saar erinnern sich

Warum hatten Sie sich damals für ein Studium an der Hochschule für Musik Saar entschieden?

Enikő Ginzery: Ich habe an der Musikhochschule Franz Liszt in Budapest Cimbalom studiert. Schon während des Studiums habe ich mich intensiv mit der zeitgenössischen Musik beschäftigt. Das waren überwiegend Werke osteuropäischer Komponisten. Ich wollte gerne in Westeuropa studieren und dadurch die westeuropäische Musikkultur näher kennenlernen und meinen Horizont (u.a. Repertoire, Interpretationsästhetik) erweitern. Meine beste Freundin und Kommilitonin in Budapest, Orsolya Nagy, studierte bereits in Saarbrücken und berichtete darüber, dass das Fach Neue Musik als Hauptstudium an der HfM Saar (damals das Einzige seiner Art für Interpreten in Deutschland) bei Prof. Dr. Stefan Litwin angeboten wurde. Es gab kein Cimbalom Fach an der Hochschule, aber Prof. Litwin war so offen und kreativ, dass er mich in seine Neue Musik Klasse aufgenommen hat. Der damalige Rektor T. Krämer hat mir erlaubt bzw. eine Ausnahme gemacht, so dass ich offiziell als Cimbalomspielerin Neue Musik studieren durfte. Meine große Dankbarkeit gilt Prof. Stefan Litwin, Prof. Thomas Krämer und Orsolya Nagy dafür.

Was ist Ihnen bis heute in besonders guter Erinnerung geblieben?

Enikő Ginzery: Es gibt vieles, woran ich mich sehr gerne erinnere, z.B. mein Instrumentalunterricht bei Prof. Litwin oder die Zusammenarbeit mit Prof. Brandmüller, aus der das Werk „Bilder der Nacht“ für Cimbalom Solo entstanden ist.

Inwiefern hat Ihre Studienzeit an der HfM Saar Ihren künstlerischen / beruflichen Werdegang positiv geprägt?

Enikő Ginzery: Das Studium an der HfM Saar hat meinen künstlerischen Horizont sehr erweitert. Ich habe unterschiedliche Ästhetik der Interpretation kennengelernt, die meine eigene Interpretation sehr bereichert hat. Dank meiner Lehrer Prof. Stefan Litwin, Yukiko Sugawara und Dr. Andreas Wagner habe ich Werke von Komponisten wie H.J.Hespos, P.Boulez, K.Stockhausen kennengelernt und einstudiert. Prof. Brandmüller komponierte für mein Abschlusskonzert ein Werk für Cimbalom solo. Diese Kompositionen waren sehr wichtige Ausgangspunkte für meine Konzerte und begleiten mich bis heute. Dadurch konnte ich weitere Komponisten inspirieren, neue Werke für Cimbalom zu komponieren.

Haben Sie den Weg eingeschlagen, den Sie sich während Ihres Studiums zum Ziel gesetzt hatten, oder haben Sie sich später in eine andere Richtung orientiert?

Enikő Ginzery: Ja, ich bin den Weg gegangen, den ich während des Studiums zum Ziel hatte und gehe ihn bis heute. Ohne dieses Studium an der HfM Saar wäre mein Weg sicherlich nicht so bunt und erfolgreich.

Haben Sie heute noch Kontakt zu ehemaligen Professoren / Professorinnen oder Kommilitonen / Kommilitoninnen?

Enikő Ginzery:
Ja, ich habe Kontakt mit meinen ehemaligen Professoren und einigen Kommilitonen.

Verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung Ihrer ehemaligen Hochschule noch mit Interesse und falls ja, über welche Kanäle?

Enikő Ginzery:
Ich vervolge die Entwicklung der Hochschule mit großem Interesse durch meine Freundin Orsolya Nagy.

Was wünschen Sie der HfM Saar für die Zukunft?

Enikő Ginzery:
Viele so glückliche, begeisterte, neugierige Studenten wie ich damals während des Studiums war.

Das Interview führte Alexandra Raetzer.

Zur Person


Enikő Ginzery (Foto: Jan Varchola) studierte Cimbalom am Konservatorium in ihrer Geburtsstadt Bratislava und anschließend an der „Franz Liszt Akademie“ in Budapest. Ein Aufbaustudium im Studienfach „Zeitgenössische Musik“ führte sie an die „Hochschule für Musik Saar“ (2002-2005, in der Klasse von Stefan Litwin, Yukiko Sugawara, Andreas Wagner) nach Saarbrücken.

1995 war sie Preisträgerin als beste ausländerische Teilnehmerin beim internationalen„Youth Festival in Plovdiv“, Bulgarien, und gewann 1997 den Internationalen Cimbalom Wettbewerb in Valašské Meziříčí in Tschechien. Seit 1995 führen sie Konzertreisen immer wieder durch Europa und den USA, sowohl als Solointerpretin als auch als Solistin in verschiedenen Orchestern und Kammermusikensembles. Sie leistet durch ihr – so die Musikkritik – „bahnbrechendes Spiel“ einen wichtigen Beitrag im Bereich der Musik der Gegenwart und inspiriert zahlreiche Komponisten zu neuen Werken für Cimbalom. Sie hat mit bekannten Komponisten wie Gy. Kurtág, H. J. Hespos, G. Irányi, I. Láng, T. Brandmüller, J. P. Oliveira, A. Hölszky, V. Globokar, R. Rubbert usw. zusammengearbeitet und bislang rund 50 Stücke uraufgeführt. Ihr Repertoire umfasst aber nicht nur Kompositionen der Gegenwart, sondern reicht zurück bis ins Mittelalter.

Als Spielerin auf dem Psalter und Salterio (Vorgängern des Cimbaloms) konzertiert sie solistisch und in verschiedenen kammermusikalischen Besetzungen. 2013 wurde ihr von der Universität Bratislava die Doktorwürde für ihre musikwissenschaftlichen Dissertation über Klangmöglichkeiten und neue Spieltechniken des Cimbaloms verliehen.

Zahlreiche Projekte, Kurse, für Kinder und Studenten sind ebenfalls Teil ihrer künstlerische Tätigkeit. Seit 2016 unterrichtet sie Cimbalom und Musiktheorie an der L.Borchard Musikschule in Berlin und seit 2020 an der L. Kestenberg Muschule. Ihre Solo-CD „Contemporary Music For Cimbalom“ erschien 2001 bei „Slovart records“, 2013 „Overflowing Crystals“ bei „Hevhetia“, 202 „Hommage a Pantaleon Hebenstreit“ bei „Hevhetia“.