Souvenirs - Dr. Barbara Neumeier

Absolvent*innen der HfM Saar erinnern sich

Beitrag von Dr. Barbara Neumeier zur HfM-Serie souvenirs

Vor meinem Abitur war ich zwei Jahre lang als Jungstudentin in der Blockflötenklasse von Wolfram Koch an der Hochschule für Musik Saar. Damals durften wir schon bei Ensembleproben des Blockflötenconsorts und Alte Musik-Projekten mitwirken. Für mich war es eigentlich klar, dass ich – als die Entscheidung für ein Musikstudium (die stark konkurrierende Alternative dazu war Biologie!) gefallen war – gerne an der Hochschule in Saarbrücken bleiben möchte. Der Standort und die Blockflötenklasse waren mir vertraut und es gefiel mir, dass es einen guten Zusammenhalt, viele musikalische Projekte und eine spannende Vielfalt innerhalb der Blockflötenklasse gab.

Diese gemeinsamen musikalischen Aktivitäten im Blockflötenconsort sind mir während meines gesamten Studiums in guter Erinnerung geblieben.

Auch der Zusammenhalt der Studenten untereinander, die Offenheit und der Respekt, mit denen man sich begegnete, waren sehr wertvoll für mich – so erinnere ich mich gerne an die Bereitschaft der Kirchenmusikstudenten, mir, gegen die Bezahlung eines Mensa-Essens, in Musiktheorie Nachhilfe zu geben ;-))…ebenso „legendär“ waren die spätabendlichen Proben in der Schlosskirche, die damals als Orgelraum diente… man traf sich einfach so zum Improvisieren, Bach-Choräle-Singen u.a…. was vielleicht für heutige Jugendliche „uncool“ erscheint, wir fanden es toll!

An meinen Dozenten, sowohl in der künstlerischen, wissenschaftlichen als auch pädagogischen Arbeit, beeindruckte mich die Tiefe, mit der über Dinge nachgedacht und gearbeitet wurde. Auch die zusätzlichen Projekte zeigten diese Verknüpfung, wie etwa Workshops, Vermittlungsprojekte und Kinderkonzerte, vor allem in der EMP. Viele Dinge, die ich lernen durfte, verstehe ich heute wieder neu, auf andere Weise; diese Denkanstöße begleiten mich auch jetzt noch in meinem Tun. Man war bemüht, uns als Individuen zu sehen und jeden nach seinen Fähigkeiten und Talenten zu fördern, so dass jeder seinen eigenen Weg finden konnte. Die „Hilfe zum Suchen“, Sich-Reflektieren und die Entfaltung der Persönlichkeit wurde durch Wertschätzung und Kompetenz gestärkt. Gerade im damals neu entstanden Jazzstudiengang wurde ich als „Exot“ mit meiner Blockflöte sehr gefördert und fand es sehr spannend, unterschiedlichen Dozenten und Kommilitonen zu begegnen, gemeinsam Musik zu machen, verschiedene Ansichten und Ideen kennenzulernen, so dass man so vieles für sich mitnehmen konnte. Der Kontakt besteht bis heute, was sehr wertvoll für mich ist!

Als junger Mensch wusste ich nicht, wohin mich mein Weg führt, natürlich gab es auch Zweifel, wie ein Berufsfeld später aussehen könne – dennoch fügten sich die verschiedenen Impulse und Ausbildungen schließlich puzzleartig zu einem Bild zusammen, was auch einer Reihe von glücklichen Zufällen und Begegnungen zu verdanken war…

Durch meine Lehrtätigkeit im Bereich Jazz ist es mir möglich, „meine“ Hochschule wieder neu zu entdecken, zu begleiten und zu beobachten.

Ich wünsche der HFM Saar, dass man ihr stets die Neugier zugestehe, die Geheimnisse der Musik zu erforschen, man ihr den wachen Blick belasse, immer wieder nach innen zu schauen, inne zu halten und Stille zu spüren und den Mut schenke, kritisch zu bleiben, neue Wege zu gehen und besonders zu sein!

Danke für die schöne Zeit!

Zur Person


Barbara Neumeier (Foto: Jean M. Laffitau) studierte Musikerziehung mit Hauptfach Blockflöte und Elementare Musikpädagogik an der Hochschule für Musik Saar (Diplome 2003). Darauf folgte ein Studium „Jazz und Populare Musik“ mit Hauptfach Blockflöte (Diplom 2007), ebenfalls an der HfM Saar.

An der Universität des Saarlandes und der Université Paul Verlaine, Metz, absolvierte sie ein Studium der Musikwissenschaft, Erziehungswissenschaft und Psychologie (Magister artium 2008), woran sich eine Promotion in Musikwissenschaft anschloss (Abschluss 2011, Dissertationsschrift: „Der Pommer. Bauweise, Kontext, Repertoire“, Sinzig 2015).

Als Mitarbeiter am Musikwissenschaftlichen Institut konnte sie Lehr- und Forschungserfahrung sammeln – weitere Lehraufträge führten sie an die Hochschule für Technik und Wirtschaft Saarbrücken (Sozialwissenschaften, Studiengang „Soziale Arbeit und Pädagogik der frühen Kindheit“).

Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählt die Bläsermusik des Mittelalters und der Renaissance sowie die Improvisationsdidaktik – hier arbeitet sie in einem Projekt über Freie Improvisation (http://www.jazz.hfm.saarland.de/impro-projekt/ ) sowie einem interdisziplinären Projekt in Zusammenarbeit mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar (Projekt „Hörspur“: https://www.xmlab.org/projects/projects-details/hoerspur).

Musikalisch liegen ihre Schwerpunkte in der Blockflöten-Consortmusik der Renaissance, der Jazzmusik mit Blockflöte im Bandkontext, sowie der improvisatorischen Verbindung der beiden Welten…

Seit 2005 arbeitet sie an der Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken in den Fächern Blockflöte und Elementare Musikpraxis und hat seit 2013 einen Lehrauftrag für Jazzdidaktik an der HfM Saar inne. Außerdem ist sie freie Mitarbeiterin im Pädagogiklektorat des Verlages Breitkopf & Härtel und war als Herausgeberin u.a. im Carus Verlag tätig.